Generalüberholt.

Konturen geschnitten auf dem Weg zur Wallemähne. Zähne geweisselt. Wimpern gefärbt. Zur Sportskanone mutiert. Frühjahrsputz erledigt. Winterklamotten verstaut. Bikini gekauft. Sonne im Herzen. Also, lieber Sommer, ich bin bereit. Du so?

Muttertag.

„Wie kann man nur sein Kind abgeben?“, „Die können doch die Pille nehmen, damit sie nicht schwanger werden!“, „Manche Frauen sind komisch.“, „Alle zwangssterilisieren, meiner Meinung nach!“.

Solche Sätze hören wir in Bezug auf abgebende Mütter immer und immer wieder. Auf der anderen Seite werden wir annehmenden Eltern oft glorifiziert. Wir Gutmenschen, wir. Der Gatte wird dann – verständlicherweise – richtig sauer, ich versuche es mit ruhigen Worten. Klappt aber auch nicht immer. Eltern, die ihr Kind in die Dauerpflege oder zur Adoption freigeben sind verdammt noch mal keine Rabeneltern! Abgeben bedeutet für die Betreffenden immer Schmerz, Abbruch und Trauer, aber auch großes Verantwortungsbewusstsein für ihr geborenes Kind. 

Die Alin Coen Band hat sich vom Abschiedsbrief einer Herkunftsmutter inspirieren lassen und diesen in ein Lied umgewandelt. Die gesungenen Worte geben Einblick in die Gefühlswelt einer verzweifelten Frau, keiner Rabenmutter. Überfälliger Perspektivwechsel. Danke dafür. Auch wenn die Musikrichtung sicherlich nicht jedermanns Sache ist: anhören lohnt sich. 

Lieblingswort des Tages: “Nebelschleier”.
Du hast das Recht, grenzenlos zu denken.

Laß es dir nicht nehmen.
Im Denken hast du die Möglichkeit, 
die Enge und Kleinkariertheit
deines Lebens zu überwinden.
Kannst du es erst im Denken,
dann wirst du auch Wege finden,
die Enge im alltäglichen Leben zu überwinden
und erfüllter zu leben.

Man wird dich auf vielerlei Weise 
zurückhalten wollen,
dich warnen, dir gut zureden,
dich an deine Pflichten erinnern.
Jemand wird dir sagen: Bleib auf dem Teppich!
Und in dir wirst du hören,
daß du kein Recht hast, daß du spinnst –
und realistisch sein solltest.

Aber du hast ein Recht, grenzenlos zu denken.
Darin wirst du ein Mensch,
der über sich selbst hinauswächst,
der nicht gebunden ist an die Muster,
die ihm jemand vorgemalt hat.
Es gibt keine Regel,
daß du dich an vorgeprägtes halten mußt.
Denke, was du denkst.
Entdecke deine Muster,
deine Formen, dein eigenes Leben.

Aus: „Grundrechte – Ein Manifest von Ulrich Schaffer.
Ein kleines, feines Buch für alle, die sich immer wieder gerne selbst entdecken.

Der Goldene Windbeutel 2013.

Es ist wieder soweit und es kann immer noch abgestimmt werden, wer die dreisteste Werbemasche für Kinderlebensmittel (was soll das eigentlich genau sein???) an den Tag legt. Es gibt auch dieses Jahr wieder Top-Kandidaten. Von Capri-Sonne von Wild/SiSi Werke über Monster-Backe Knister von Ehrmann bis hin zu Paula von Dr. Oetker ist jede Menge Zucker- und Fettzeug vertreten. 

Apropos Capri-Sonne…. Die Jungs und Mädels des Unternehmens wollten vor Abstimmung schnell noch mal aufklären, dass ihr Produkt ja gar nicht an Kinder vermarktet wird. Ja, nee, is’ klar. Foodwatch hat sich selbstverständlich umgehend für diese völlig aus der Luft gegriffene Annahme entschuldigt.

Changes.

Morgens früh um acht.

Gatte: Sehe ich gut aus so?

Ich: Ja, passt prima. Warum der Aufriss, hast du nen Kundentermin heute?

Gatte: Kundentermin? Kundentermin??? Ich. Bin. Der. Kunde. 

(…) Für Adoptiveltern kommt einmal der Tag, ihrem Kind die Wahrheit über dessen Herkunft zu sagen. Umso früher sie dies tun, desto besser sei es, sagt die psychologische Psychotherapeutin Irmela Wiemann aus Frankfurt. Sie empfiehlt, dem Kind bereits auf dem Wickeltisch zu erzählen, dass es in eine Adoptiv- oder Pflegefamilie aufgenommen wurde. „Auch wenn Kinder in diesem Alter den Inhalt der Worte noch nicht verstehen, können Eltern dabei ihre eigene Barriere überwinden und sich mit dem Thema vertraut machen.“ (…) moz.de, 02.04.2013.

So… und nach diesem umfassenden Ausflug in den wissenschaftlich untersuchten und psychologisch belegten Unterbau hier noch ein paar ganz einfache Gedanken und Bauchgefühle eines gleich doppelt Betroffenen:

Ich kann mich überhaupt nicht daran erinnern, wann mir meine Eltern erzählt haben, dass ich nicht im Bauch meiner Mutter war, dass meine Eltern an einem 24. Dezember ganz ganz aufgeregt in ein Krankenhaus gefahren sind, dass sie dann noch warten mussten, weil Schwester Innocencia in irgendeiner Andacht weilte und ihre Vertreterin gerade ein Bad nahm, dass sie mich dann überglücklich mit nach Hause gebracht haben und dass ich das wunderbarste Weihnachtsgeschenk war, dass sie jemals gemacht bekamen. Ich wusste es immer. Von Anfang an.

Ich wusste auch immer, dass meine leibliche Mutter mich sehr geliebt hat, aber dass es ihr damals einfach unmöglich war, als die Mutter für mich da zu sein, die sie gern sein wollte. Dass sie schon während ihrer Schwangerschaft beschlossen hatte, mich zur Adoption freizugeben. Und dass diese Entscheidung für sie mit die Schwerste ihres Lebens war.

Und gerade weil ich all dies schon immer wusste, war es für mich völlig normal, selbstverständlich. Nichts, was mich an meinen Eltern, mir, unserer Liebe zueinander oder meinem Vertrauen in meine Eltern zweifeln ließ. Ich bin fest davon überzeugt: je früher aufgenommene Kinder – bewusst oder unterbewusst – erfahren, dass sie genau das sind, in Liebe aufgenommene Kinder, umso weniger Zweifel können entstehen, umso einfacher, natürlicher, selbstverständlicher können sie damit umgehen, umso unbelasteter ist diese ohne jeden Zweifel besondere Beziehung zwischen angenommenem Kind und seinen „neuen“ Eltern.

Ich müsste lügen, wenn ich behauptete, meine Adoption spiele keine Rolle in meinem Leben. Ich bin mir sehr sicher, dass ich aufgrund dieser ersten traumatischen Trennung von meiner leiblichen Mutter besonders sensibel bin, sobald es um Beziehungen, Trennungen, schlicht das Verhältnis von mir zu anderen, mir nahe stehenden Menschen geht. Mit diesem „Knacks“ lebe ich aber sehr gut. Ich kenne ihn und er ist ein Teil meines Lebens, meiner Geschichte.

Und deswegen kann ich annehmende Eltern nur auffordern und bestärken. Erzählt euren Kindern von Anfang an ihre Geschichte. Erzählt ihnen von dem Herzstillstand, wenn das Jugendamt an irgendeinem, eben noch völlig normalen Tag anruft. Erzählt von den atemlosen und surrealen Blitzeinkaufstouren im nächsten Babymarkt. Erzählt davon, wie es ist, noch voller unbestimmter Ängste auf eine Säuglingsstation zu stolpern und sich dann plötzlich – von einem wunderbaren Moment auf den nächsten – mit Tränen in den Augen vollkommen sicher zu sein, dass man für diesen kleinen Stöpsel den Rest seines Lebens da sein möchte. Ohne Wenn und Aber. Und erzählt von der Bauchmama. Erzählt, wie dankbar ihr seid, dass sie sich für das Kind in ihrem Bauch entschieden hat. Erzählt von eurem Respekt und eurer Bewunderung für die wahrscheinlich schwerste Entscheidung, die eine Frau treffen kann. Erzählt eurem Kind seine Geschichte, die ja immer auch die Geschichte eurer Familie ist. Von Anfang an. Ohne zu übertreiben, ohne zu beschönigen, ohne zu dramatisieren. Es ist ein Teil seines Lebens. Es hat verdammt noch mal ein Recht darauf.

Warum der Herr Papa momentan keine Zeit zum Essen gehen hat.

30 Jahre Freundeskreis Matthias Gessinger – Ausstellung im Wiesbadener Rathaus.

Eröffnung: Freitag, 3. Mai 2013, 18 Uhr

Begrüßung: Rose-Lore Scholz, Kulturdezernentin

Einführung: Matthias Gessinger

Musik: Massoud Darya

Öffnungszeiten: Mo-Fr von 10-19 Uhr

Veranstalter: Kulturamt Wiesbaden

Anders denken, anders sehen.

Der Freundeskreis Matthias Gessinger gründete sich 1983 aus Gleichgesinnten unter dem Aspekt „Die Basis ist das Wissen, nicht die Muse“. 

Die 14-tägigen Treffen beinhalten: Techniken der Malerei und Collage, Theorien, Bildbesprechungen, Kunstgeschichte, Reflexionen aktueller Kunst. Darüber hinaus werden Grundkurse, Themenseminare, Reisen zur Kunst, Präsentation, Ausstellungskonzeptionen, Installationen angeboten. Mehr zum Freundeskreis M.G. auf wiesbaden.de/kunstbildung

Zum Dozenten und Herrn Papa:

Der 1948 in Berlin geborene Maler Matthias Gessinger lebt in Wiesbaden und Paris. Er studierte Malerei, Kunstgeschichte und Philosphie an der Werkkunstschule/FHS für Gestaltung Wiesbaden und der Goethe Universität Frankfurt.

Der Künstler wurde mehrfach mit Preisen für Kunst im öffentlichen Raum ausgezeichnet.

Der Kulturpreisträger der Landeshauptstadt Wiesbaden hatte einen Lehrauftrag für Farbe an der FHS Gestaltung Wiesbaden und ist Mitglied der Darmstädter Sezession.

Mit seinen Ausstellungen war er in Museen, Kunsthallen und Galerien in Deutschland, Europa, USA, und Südamerika vertreten.

Selbstverständlich bin ich am 3. Mai auch zugegen – vorausgesetzt Kind, Gatte und meine Wenigkeit halten krankheits- sowie unfalltechnisch die Füße still. Bei uns weiß man ja nie. 

Blogwatch: Frau Neudecker lernt endlich kochen.

Mein Blog! Wenn ich nämlich eins nicht kann, ist es kochen. Wer jemals etwas von mir Selbstgekochtes gegessen hat, weiß, wovon ich schreibe (der Gatte postet jetzt hier bitte nichts). Zu meiner großen Bewunderung versucht die in Paris lebende Journalistin Frau Neudecker-von Randow das Hantieren in der Küche tapfer – und lässt uns teilhaben. Das ist der erste Foodblog der mich wirklich langfristig bindet. Und wer weiß, vielleicht traue ich mich zukünftig auch an den Herd. Also, vielleicht. Irgendwann mal. Vorher lese ich ausgiebig. Ich muss mich ja vorbereiten…

Neulich beim Kinderarzt.

Die Vertretungskinderärztin betritt schwungvoll das Behandlungszimmer. 

Ärztin: Ach, wie schön, bei Ihnen kann man die Gene auch nicht leugnen. Ihre Tochter ist Ihnen wie aus dem Gesicht geschnitten. So eine Ähnlichkeit sieht man wirklich selten…

Sie schaut in unsere Akten, stutzt, guckt uns noch mal an – und grinst: Okay, sie haben sich eben angeglichen!